
Hallo Ute,
danke erstmal einmal, dass du dir die Zeit genommen hast uns ein paar Fragen zu deiner Person zu beantworten!
Wie bist du zum Biathlonsport bzw. Langlauf gekommen?
Meine Eltern waren leidenschaftliche Sportler, so dass ich sehr früh in einem Skiverein und damit beim Langlauf gelandet bin. Meine Eltern waren es dann auch die sich überlegten, dass ich auf dem Dresdner Sportgymnasium eine gute allgemeine sportliche Ausbildung erhalten würde. Auf dem Gymnasium selber war ich als Langläuferin aber eher ein Exot. Ich habe auch an Sichtungslehrgängen teilgenommen, aber irgendwie war das nicht das Wahre für mich. Obwohl ich im Vergleich zu anderen Mädchen wirklich erfolgreich war. Irgendwann erzählten mir dann meine Eltern vom Biathlon und mein Vater entwickelte erste Trainingspläne für mich. Zu der Zeit habe ich auch oft die Schießhalle der Biathleten besucht, weil ich es ganz toll fand denen beim Schießtraining zu zusehen. Der verantwortliche Trainer gab sich mit dieser Passivität aber nicht zufrieden und hat mir irgendwann ein Gewehr mitgebracht, welches dann auch mir gehörte. So fing ich dann an das Schießen zu lernen. Meine Eltern haben mich dann motiviert die Anstrengungen im Bereich des Biathlons zu forcieren.
Gab es beim Erlernen des Schießens Schwierigkeiten, 50 Meter Entfernung zu einem 11,5 bzw. 4,5 cm kleinen Ziel ist nicht gerade wenig?
Nein, da war ich eher ein Naturtalent. Ich habe erst spät mit dem Biathlon angefangen, die anderen Athletinnen fangen normalerweise schon im Kindesalter mit Luftgewehrschießen an. Im Grunde habe ich aber das schießen vor dem Laufen gelernt, da ich vorher ja nur die klassische Lauftechnik beherrschte und die Skating-Technik erst später dazu kam. Das Schießen ging mir zum Glück leicht von der Hand.
Was macht für dich die Faszination Biathlon aus?
Wie die meisten Athleten empfinde ich die Spannung beim Biathlon sehr faszinierend. Man weiß vorher nie wer gewinnt, da es durch das Schießen und die wechselnde Form beim Laufen immer wieder zu Veränderungen und anderen Siegern kommt. Es ist auch sehr aufregend wenn man mit einem extrem hohen Puls an den Schießstand kommt und dann die Ruhe zum Zielen finden muss, das ist Adrenalin pur.
Welcher sportliche Erfolg genießt bei dir persönlich den höchsten Stellenwert?
Ganz klar der 2. Platz bei den Deutschen Meisterschaften in diesem Herbst. Das war ein absolutes Highlight, was noch über den Junioren-Weltmeistertiteln steht.
Welche Disziplin favorisierst du?
Eigentlich haben alle ihren besonderen Reiz, aber ich mag den Sprint und den Massenstart nicht so und favorisiere daher die Verfolgung und den Einzelwettbewerb. Für den Massenstart fehlt mir einfach noch das breite Kreuz.
Bist du sehr nervös und aufgeregt vor Wettkämpfen?
Klar ist man immer ein bisschen aufgeregt vor einem sportlichen Wettstreit, aber ich bin eher der gelassene Typ. Ich mach mich vor den Wettkämpfen nicht verrückt oder so. Es ist ja das, was mir Freude bereitet und worauf ich das ganze Jahr hinarbeite.
Was sind deine sportlichen Ziele in der Zukunft?
Ich will im Europacup unter die 2 besten Deutschen kommen, damit ich bei den letzten drei Weltcup-Rennen teilnehmen darf. Das wäre für mich super. Außerdem will ich nächstes Jahr bei den Deutschen Meisterschaften wieder angreifen. Dieses Jahr konnte ich an einem Tag zeigen was ich kann, nächstes Mal will ich konstant erfolgreich sein.
Existieren schon Pläne was nach dem Biathlon kommt?
Im Moment schließ ich das eher aus, da es ja noch weit weg ist. Aber sicher macht man sich den ein oder anderen Gedanken, welche aber wohl mehr Träumen gleichen.
Wie kam es zu deiner Leidenschaft dem Klettern?
Mein Vater war zu DDR Zeiten im Alpinismus aktiv und kletterte daher auch. Ich wurde quasi mit dem Kinderwagen mit in die Berge genommen. In der Sächsischen Schweiz bin ich dann schon als Kind herum geklettert. Klettern ist einfach ein super Ausgleich für mich, draußen in der Natur zu sein ist wirklich schön und entspannend.
Ist für den Sommer schon eine Klettertour geplant?
Ich hatte letztes Jahr schon die Besteigung des Mont-Blanc geplant, was sich leider wegen schlechten Wetters nicht verwirklichen ließ. Deswegen plane ich die Besteigung jetzt fürs nächste Jahr.
Was hat dich in deiner Jugend besonders geprägt?
Hauptsächlich meine Eltern. Die haben mich sehr sportlich erzogen und meinen Werdegang vorgezeichnet.
Wie motiviert man sich immer wieder für die knallharte Vorbereitung auf die Saison?
Ich setze mir immer Zwischenziele, wie z.B. die Deutschen Meisterschaften oder ähnliches. Schlechte Ergebnisse demoralisieren zwar schon, aber man muss sich wieder aufrappeln und weitermachen. Außerdem ist es immer eine Motivation sich mit den besten der Welt zu messen. Die Gelegenheit habe ich, da ich mit dem A-Kader reise und mit den deutschen Mädels, die absolut in der Weltspitze vertreten sind, trainieren kann.
Fühlst du dich fit und gut vorbereitet für die Saison?
Ich habe im Sommer super trainiert und bin über den Vizetitel bei den Deutschen Meisterschaften auch sehr glücklich, aber ich konnte leider nur an einem Tag zeigen was ich drauf habe. Es fehlt einfach noch die Konstanz, daran muss ich weiter viel arbeiten um bei den Wettkämpfen routinierter zu werden.
Was stellt für dich das Saisonhighlight dar?
Zum einen die Europameisterschaften in Langdorf-Abersee in Deutschland vom 27.02 bis zum 5.03.06, zum anderen, wenn es klappt, die drei letzten Weltcup-Rennen in dieser Saison mitzulaufen. Das wäre eine tolle Zugabe für mich in diesem Winter.
Danke Ute für das sehr interessante Interview! Wir drücken dir für die Saison natürlich die Daumen und wünschen dir einen erfolgreichen Winter mit etlichen Highlights!