
29.08.2008
Mont Blanc spezial
Wenn ich an den Mont Blanc und seine Berge denke, fängt mein Herz an zu klopfen.
Es sind die Erinnerungen die dieses Bergmassiv für mich bereithält, eine großartige Welt, voll von atemberaubenden Erlebnissen. Das Mont Blanc Gebiet ist ein Anziehungspunkt für Bergsteiger der ganzen Welt und dies ganz zu Recht, denn nirgendwo sonst findet sich eine solche Fülle von Bergen, Felsnadeln, Gletscher und Eisrinnen auf so engem Raum und so nahe an Straßen und Städten. Und, man befindet sich nicht nur in einem gewaltigen und zugleich wunderbaren Bergland, sondern ebenso in einem der schwierigsten Gebiete der Alpen, für das vielleicht am bezeichnensten ist, dass die Besteigung des Mont Blanc's selbst, auf dem Normalweg, eine der leichtesten Gipfelrouten darstellen kann.
Uns war bewusst, dass diese leichten Touren einschließlich Hütten in den Sommermonaten hoffnungslos überlaufen sind. Da uns der "Almauftrieb" schon immer ein Dorn im Auge war, wählten wir eine Route abseits des Massentourismus auf den höchsten Berg Europas. Außerdem suchten wir eine Herausforderung, denn bizarre Felsnadeln, vereiste Grate und Firnrinnen sollten für drei Tage unsere Begleiter sein.
Für eine solche Tour wollten wir uns nicht überladen, aber auch die Sicherheit nicht außer Acht lassen. Ein Rucksack mit 40 Litern Fassungsvermögen sollte reichen, gefüllt mit Steigeisen, Klettergurt, ein kleiner Satz Friends und Keile, 3 Exen, leichter Kocher mit Trockennahrung, Biwaksack, First Aid Set, warme Jacke, Wechselhandschuhe und -socken, Powerriegel, sowie Eisgeräte und ein 50m Seil.
Gut akklimatisiert starteten wir in Chamonix. Ein Bus der öffentlichen Verkehrsmittel brachte uns ins Nachbartal von Les Contamines, einem kleinen Dorf oberhalb von St. Chervais. Von dort ging es auf einem Wanderweg zur Trélatête-Hütte und weiter zum Mauvais-Pass, einer delikaten Passage durch Felsbarrieren. Nun den Gletscher entlang und später eine Schuttrinne an Eisenleitern empor.
Nach 5 Stunden straffem Wandern erreichten wir die Conscrits Hütte, einer modernen Unterkunft umrahmt von schneebedeckten 4000ern.
Am nächsten Morgen war 3:30 Uhr wecken. Hinter der Hütte ging es im Schein unserer Stirnlampen ein steiles Schneecouloir hoch. Beizeiten legten wir unsere Steigeisen an um leichtfüßiger an Höhe zu gewinnen. Über die Aiguille de Bérangère ging es jetzt einen Kombigrat entlang und eine steile Flanke zum ersten Dôme de Miage hinauf. Auf einem gigantisch schönen Schneegrat überschreiteten wir alle Dômes.
Endlich wurde der Weg technisch etwas schwieriger und der eine oder andere Felsblock musste überklettert werden. Der zweite Tag endete nach 5 Stunden abwechslungsreicher Kletterei. Wir erreichten die Biwakschachtel in der wir die folgende Nacht verbringen wollten.
Unseren dritten Tag beschrieb der Kletterführer wie folgt: Hochtour mit hohen technischen Anforderungen wegen der luftigen Überschreitung, sowie der Kombination aus Fels und Schnee, ca. 12 Std. bis zum Gipfel, dazu der Abstieg.
Ich war mächtig aufgeregt, als wir nachts halb drei in leichtem Gelände starteten. Während die ersten Anzeichen des kommenden Tages zu erkennen waren, wechselte der Kletterrhythmus. Für einen Moment verlässt man den Schnee und bewegt sich in Fels und Eis. Das Gestein wirkte wie Pergament und erinnerte mich daran, dass die Sonne hier schon lange nicht mehr vorbei gekommen ist. Der Fels fühlte sich bei jeder Berührung kalt, geradezu eisig an und beim Blick in die gähnende, dunkle Tiefe lief mir ein Schauer über den Rücken. Plötzlich, ohne Vorankündigung löst Schnee das Mixedgelände ab. Nun kann der Bionnassaygrat, das erste Tagesziel, nicht mehr weit sein.
Zu Recht gehört dieser Grat zu den hervorstechendsten Legenden der Alpen. Auf dieser Grenze zwischen Süd und Nord hat der Wind Wechten geformt und gigantische Spitzen aufgehäuft, die diesen Grat zu einer meiner luftigsten Überschreitungen macht. Mühsam die Balance wahrend, wandeln wir mehr oder weniger aufrecht. Der Grat ist kaum breiter wie 20 Zentimeter und wir folgen dem Weg entlang der Gratlinie zwischen Licht und Schatten. Als die Sonne über den Horizont blinzelt endet unserer Gleichgewichtsakt und wir folgen einer Schneeflanke zum Gipfel des Dôme du Goûter. Beim Einbiegen in die Normalroute des Mont Blanc bleibt uns nichts anderes übrig uns in die Karawane der Gipfelstürmer einzuordnen und den schönen, luftigen Pyramidengrat zu verlassen.
Endlich auf dem Gipfel angekommen war meine Freude riesig, ein gigantisches Panorama ließ auf sich warten. Die Welt lag mir zu Füßen - ein irres Gefühl.
Um unsere Mont Blanc Überschreitung perfekt zu machen, wählten wir den sanften Abstieg über Mont Maudit und Mont Blanc du Tacul zur Aiguille de Midi.
Unsere Reise entlang der Grate zum höchsten Punkt der Alpen war wieder ein atemberaubendes Bergabenteuer, an das ich mich noch ewig erinnern werde.
Chamonix, ich komme wieder!
Bis bald,
Ute
16.06.2008
Sportmodel für Globetrotter
Zeitiges Aufstehen, Frühsport, Sessellift hoch, 100 Schneekilometer, Sessellift runter, zum Mittag Spaghetti Carbonara, Kommandos wie "fertig los" oder "bereit ab", zum Abend Spaghetti Bolognese, Höhenluft, Sonnenbrand und Schneesturm...das ist das Resümee einer Woche auf dem Gletscher des Schnallstales in Südtirol.
Nein, weder möchte ich ein heimliches Comeback feiern, noch auf irgendein Großereignis hintrainieren.
Ich war mal wieder für die "Spezialisten für das Leben im Freien" unterwegs. Bilder für den neuen Winterkatalog mußten her, sowie ein interessiertes Sportmodel.
Also fuhr ich zusammen mit einem weiteren Sportmodel und einem Globetrottermitarbeiter in die Heimat von Reinhold Messner. Der Kleinbus war vollbeladen mit nagelneuer Outdoorware.
Endlich angekommen ging es mit der Seilbahn auf 3000m zum Gletscherhotel, unsere Unterkunft für die nächsten Tage. Dort begrüßten uns der Fotograf und seine Assistentin und machten uns mit dem enggestrickten Programm für diese Woche vertraut. Jeder Tag ein anderes Thema: Skitour im alpinen Gelände, Tiefschneefahren, Skilanglaufen, Zeltaufbau, Schneeschuhtour, Unterwäsche und das alles möglichst authentisch.
Ich war ganz schön aufgeregt als es dann endlich los ging, da ich nicht wußte, wie ich mich anstellen werde. Dabei brauchte ich nur ich selber sein, Freude am Bergsport haben und auf die Kommandos der Profis zu hören.
Anstrengend war's trotzdem. Zu jeder Fotoszene mußte eine andere Jacken-Hosen-Schuhe-Mützen-Brillen-Kombination her. Ich zog mich am Tag x-mal um und mußte mich stark konzentrieren, den Überblick im Klamottenwirrwar zu behalten.
Die Tage vergingen rasant, Gleichschritt auf Gruppenfotos war Pflicht, ein Bild mit Zelt im Schneesturm mußte auch noch her und Fotos bei Morgen- und Abenddämmerung waren eh die besten.
Der für mich spannendste Moment war die tägliche Auswertung der Bilder am Abend. Ich lernte viel über Brennweiten, Lichtfresser, Schärfentiefe, sowie die Kunst der Lithographie.
Alles in Allem hat mir das sportmodeln sehr viel Spaß gemacht. Auch wenn kaum Zeit war mal den Blick über die Gipfel Südtirols schweifen zu lassen, habe ich wieder gemerkt wie gern ich in den Bergen unterwegs bin.
Bis bald Eure Ute
06.03.2008
EM 2008, der letzte EC und so
Und schon ist die EM 2008 wieder Geschichte, auf die ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge zurück blicke. Sehr entäuscht war ich über meinen Einzelwettkampf. Mein eigentliches Niveau, meiner derzeitigen Schokoladendisziplin, dem Schießen, konnte ich nicht unter Beweis stellen. Mit 5 Fehlern, trotzt Sonnenschein und Windstille, und einer durchschnittlichen Laufzeit wurde ich nur 25. Um so mehr freute ich mich über unsere Silbermedaille in der Staffel. Jede von uns hat ein klasse Rennen gezeigt, so dass wir im Ziel nur dem vizeweltmeisterlichen Quartett aus der Ukraine den Vortritt lassen mussten.
Zurück zu Hause, galt es kurz zu verschnaufen. Dann bereitete ich mich, bei frühlingshaften Temperaturen auf Skirollern, auf den letzten EC in Sansicario vor. Zur Vorbereitung sollte ein Volkslauf, der "Ganghofer Lauf", gehören. Als ich jedoch in Leutasch anreiste, um meine Startnummer im Wettkampbüro zu holen, las ich ein großes Schild: "Wettkampf fällt aus! Große Teile der Strecke stehen unter Wasser!" Schade, ich hatte mich auf dieses Skilanglaufrennen gefreut.
Jetzt bin ich wiedermal in Mittenwald und trainiere auf einer dreckigen 2 km Loipe. Am Donnerstag geht's weiter nach Sansicario, zum letzten Wettkampf der Saison. Der EC in Frankreich darf auf Grund von Sparmaßnahmen vom DSV nicht bestückt werden.
Anschließend gönne ich mir 2 Wochen Urlaub in den Bergen der Schweiz. Meine neue Skitourenausrüstung soll da möglichst oft zum Einsatz kommen. Eiskletterausrüstung sowie Schneeschuhe sind natürlich auch an Bord.
Also wünsche ich Euch jetzt schon Frohe Ostern.
Bis bald, Ute
12.02.2008
Und es hat Peng gemacht...
...gleich am ersten Tag im Trainingslager in Bayrisch Eisenstein habe ich mir den Fuß am Bett eingerammt - das hat vielleicht gekracht und ein fürchterlicher Schmerz folgte promt. Da half alles Kühlen und Salben nicht, mein Fuß und eine Zehe ähnelten einem dunkelblauen Etwas. Normalerweise kenne ich solche Bilder nur aus Bergsteigerbüchern von abgefrorenen Zehen oder Fingern. Natürlich war für die nächsten 3 Tage das Training tabu und auch in den folgenden EC`s hatte ich noch mächtig damit zu kämpfen.
Zurück zu Hause stellte sich raus: die Zehe ist gebrochen. Das hieß eine Woche Schonfrist und auch eine Teilnahme an der internat. Zollskimeisterschaft konnte ich vergessen.
Mittlerweile hatten sich auch die letzten Schneekrümel in Altenberg verflüchtigt, also fuhr ich zum Training nach Oberwiesenthal. Leider ließ die nächste Hiobsbotschaft nicht lange auf sich warten: nach 2 Tagen reiste ich, nach einer qualvollen Nacht, mit einem Magen-Darm-Virus wieder ab. Nach so einer unfreiwilligen Diät war mein Körper völlig geschwächt und ich fing mir gleich noch einen Schnupfen ein.
Jetzt bin ich in Mittenwald, da hier noch erstklassige Skibedingungen sind. Ich blicke auf meinen Nachttisch: 11 Hanuta, 5 Snickers, eine Rolle Doppelkekse und ein Stück frische Quarktorte...irgendwie muß ich ja wieder zu Kräften kommen.
Morgen geht`s nach Ridnaun zum offiziellen EM-Vorbereitungslehrgang. Trotzt der Kapriolen der letzten Wochen bin ich optimistisch und freue mich auf die Wettkämpfe im tschechischen Nove Mesto.